
Via Agostino da Montefeltro 10
Stabilimenti Ghia-O.S.I.
Ghia bezieht 1957 neue und größere Fabrikationsanlagen an der Via Agostino da Montefeltro 5. Bereits kurz nach dem Umzug ergibt sich hier für Ghia die Möglichkeit, seine Fertigung in einer leer stehenden Munitionsfabrik auf der gegenüberliegenden Straßenseite (Via Agostino da Montefeltro 10) noch einmal auszuweiten. Um diesen Schritt realisieren zu können, geht Ghia eine Kooperation mit Italiens führendem Felgenhersteller Fergat ein. Fergat/Olivetti stellen die finanziellen Mittel zur Verfügung um die Fabrikationsanlagen kaufen und erweitern zu können. Im Juni 1960 wird die Apparecchi O.S. umbenannt und heißt ab jetzt Officine Stampaggi Industriali S.p.A..Das Fertigungsprogramm der Apparecchi O.S. wird somit von O.S.I. übernommen und unter dem neuen Namen weitergeführt.
Officine Stampaggi Industriali – Die Fahrzeugproduktion
Die ersten Aufträge zur Fahrzeugproduktion kommen von Innocenti für den von Ghia entworfenen Innocenti 950 Spyder auf Basis Austin Healey Sprite, sowie von Fiat mit den Modellen Fiat 2300 Coupè und später dem Fiat 1300/1500 Familiare.
Bereits ab 1962 beschäftigt OSI etwa 645 Mitarbeiter und fertigt knapp 50 Autos am Tag. Im Februar 1963 stirbt Ghia-Präsident Luigi Segre im Alter von nur 44 Jahren während einer Blinddarm Operation und in der Folge wird die OSI S.p.A. vollständig vom zweiten Anteilseigner, der Fergat S.p.A. übernommen, die Giacomo Bianco als neuen Genraldirektor bestimmt. Auf dem Turiner Automobilsalon im Herbst 1963 ist die Carrozzeria O.S.I. erstmals mit einem eigenen Stand vertreten und präsentiert den von Giovanni Michelotti entworfenen OSI 1200S Spider. Ein Cabriolet auf dem um 20 cm verkürzten Fahrgestell der populären Fiat 1100D Limousine. In den folgenden Jahren werden zahlreiche weitere Prototypen und Kleinserien produziert und O.S.I. baut seine Kapazitäten kontinuierlich aus. 1965 arbeiten bereits 1.000 Mitarbeiter im 3-Schicht Betrieb und die tägliche Fahrzeugproduktion beträgt 120 Autos, wovon allein 60 Stück auf den Ford Anglia Torino entfallen.


Mit dem neuen Geschäftsführer Giacomo Bianco erhält die O.S.I. ab 1965 eine eigene Designabteilung im Turiner Vorort Borgaro. Hier sind zeitweise bis zu 80 Mitarbeiter in den Bereichen Design, Entwicklung, Konstruktion und Prototypenbau tätig. 1966 erweitert die O.S.I. ihr Gelände noch einmal um 2 Gebäude und die Mitarbeiterzahl ist mittlerweile auf 2.000 angewachsen. Die O.S.I.beschäftigt sich in dieser Zeit auch immer wieder mit Alternativen zu den herkömmlichen Stahl-Karosserien. So entstehen verschiedene Prototypen mit Aluminium oder Fiberglas-Karosserien sowie im Zuge einer Zusammenarbeit mit Alpine Engineering und Marbon-Chemical ein Modell aus dem vakuumformbaren Kunststoff Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS), der unter dem Handelsnamen Cycolac vertrieben wird. Mit dem Ende der Produktion des Ford Anglia Torino und des Fiat 1300/1500 Familiare geht die Tagesproduktion und die Zahl der Mitarbeiter deutlich zurück, da Folgeaufträge in vergleichbarer Größenordnung fehlen. Der Turiner Automobilsalon 1967 wird der letzte Auftritt der O.S.I. als Automobilhersteller. Die Eigentümer entscheiden sich die O.S.I. S.p.A. aus dem Automobilbau zurückzuziehen. Im November 1967 schließt die das Centro-Stile e Esperienze. O.S.I.Chef-Designer Sartorelli und mit ihm viele Mitarbeiter des Design Büros nehmen ein neues Engagement beim Centro Stile Fiat an. Andere gehen zurück zu Ghia oder machen sich mit eigenen Unternehmen selbstständig. Im Januar 1968 räumt Giacomo Bianco seinen Posten als Generaldirektor und O.S.I. entlässt noch einmal knapp ein Drittel der Mitarbeiter.


Anfang der 70er Jahre werden die beiden Firmen Gianetti Ruote und O.S.I. als Teil der Magnetto Gruppe zusammengelegt. Der neue Firmensitz ist jetzt in Mailand. Die O.S.I. betätigt sich von nun als Presswerk für Felgen und Fahrzeugteile und bietet die Entwicklung und Fertigung von Presswerkzeugen bis hin zur Planung und Ausstattung von kompletten Presswerken wie z.B. für das LKW Werk FSC Lublin in Polen an. Die O.S.I. besteht innerhalb der Magnetto Gruppe noch bis knapp zur Jahrtausendwende, bevor sie ihren Betrieb ganz einstellt.

